Interview mit Rekord-Nationalspielerin Christiane Fürst

SSVB | Verband

Christiane Fürst, eine der besten Mittelblockerinnen der Welt, ist nach Stationen in Italien, Istanbul und Japan zu einer der größten Vorbilder im deutschen Volleyball geworden. Ihr Ehrgeiz war unermüdlich, ihre Erfolge wie die Deutsche Meisterschaft 2007 mit dem Dresdner SC, die italienische Meisterschaft 2008 und 2009, die dreimalige türkische Meisterschaft in den Jahren 2011, 2013, 2014 sowie die drei Champions-League-Siegen in 2010, 2013 und 2015 sind nur ein Bruchteil dessen, was die heute 38-Jährige in ihrer sportlichen Karriere geleistet hat. Mittlerweile ist sie Geschäftsführerin beim VC Olympia Dresden und gibt ihr Wissen an unsere Nachwuchssportlerinnen weiter. Gleichzeitig leitet sie den Nachwuchsleistungsausschuss (NWLA) im SSVB und vertritt den Nachwuchsleistungssport ebenso als aktives Mitglied im Präsidium.

1. Wie bist du zum Volleyball gekommen?

Ich wurde nach dem Sportunterricht (Leichtathletik) 3. Klasse von einer Frau (Sichtung) angesprochen, ob ich Volleyball spielen möchte. Da ich mit meinen Freundinnen in jeder Freizeit sowieso draußen gespielt habe, fand ich das toll und bin zum Training in einer Breitensportgruppe dienstags und donnerstags gegangen. Die Mädels waren damals noch bunt nach den Altersstufen gewürfelt. Also habe ich auch mit 16-Jährigen trainiert. Ich habe nebenbei auch noch Schwimmen (1x wöchentlich) gemacht. Im HJ 4. Klasse hat mich dann Klaus Kaiser gesehen und mich in die E-Jugend zu Frau Schultz gebracht.

2. Wann kam die Anfrage aus Italien?

Über meinen Manager. Guido Caccamo hatte mich bereits 2005 unter Vertrag genommen, da ich schon damals gehen wollte. Ich bin dann aber noch zwei Jahre bis zum Deutschen Meistertitel 2007 geblieben. Danach war die absolute Leistungsgrenze in Deutschland für mich erreicht und ich musste ins Ausland, um mit den besten Spielerinnen und Trainern der Welt arbeiten und in den besten Ligen spielen zu können.

3. Was war für dich typisch italienisch?

Lebensfreude außerhalb der Halle. Die Leichtigkeit der Kommunikation.

4. Wie viele Länderspiele durftest du bestreiten und was war dein schönstes Highlight in der Nationalmannschaft?

Über 100 in der Jugend- und Juniorinnennationalmannschaft.

350 in der A-Nationalmannschaft.

Die individuelle Auszeichnung „Beste Blockerin“ der WM 2010. Ich wurde im Juni 2010 an der Schulter operiert und stand im Oktober auf diesem Podest nach einer harten Zeit, die leider danach noch nicht zu Ende war. Aber diese Auszeichnung zweimal nacheinander bekommen zu haben, trotz der Verletzung, war ein unglaubliches Gefühl.

5. Warst du im Internat? Hast du deinen Heimatverein irgendwann gewechselt, um weiter voran zu kommen? Ist dir die Entscheidung schwergefallen? Was würdest du den Jugendlichen raten, die vor so einer Entscheidung stehen?

Ich war nicht im Internat und habe die komplette Jugend beim DSC durchlaufen. Es gab nur eine einzige Entscheidung: "Entweder du gehst zum Training oder nicht." (meine Mama)…danach habe ich es nicht mehr in Frage gestellt.

6. Welche Unterstützung war für deinen Erfolg unersetzlich? Was ist also dein "Erfolgsrezept"?

Familie, die dich bedingungslos unterstützt und trotzdem manchmal die richtigen Fragen stellt. Trainer, die an dich glauben. Ansonsten das eigene Durchhaltevermögen und Opferbereitschaft.

7. Wie kann Volleyball-Deutschland deiner Meinung nach international erfolgreich sein? Welchen Beitrag kann der SSVB dazu leisten? Was müsste sich dafür vielleicht ändern?

Große Frage, die sicherlich viele Antworten braucht. Fragen wie, welche Rolle spielt Leistungssport in der deutschen Gesellschaft sowie, wie kann Volleyball-Deutschland mehr an Präsenz gewinnen, stehen da im Raum. Grundsätzlich benötigen wir mehr infrastrukturellen Raum, damit Volleyball in der Halle sowie im Sand, von Kindern wie auch Erwachsenen aller Altersstrukturen gelebt werden kann. Erfolgreich kann man zudem nur sein, wenn in Deutschland hochklassige Trainer*innen agieren können. Wir brauchen mehr Trainer*innen und Übungsleiter*innen, die vielseitig und fachlich kompetent ausgebildet sind. Die angemessene finanzielle Vergütung ist zudem eng mit der gesellschaftlichen Anerkennung von Trainer*innen verbunden. Der Volleyball muss sich strukturell und inhaltlich weiterentwickeln. Der SSVB sollte als Vermittler und Schnittstelle vielerlei Institutionen eine wichtige Rolle spielen. Sport-Deutschland muss sich noch definieren und so auch Volleyball-Deutschland.

Vielen Dank, Christiane, für das Interview und den kurzen, aber sehr interessanten Einblick!


Foto und Text: S.Peter (SSVB) / Dresdner Allgemeine / SPOX

veröffentlicht am Dienstag, 5. September 2023 um 15:38; erstellt von Peter, Sandra
letzte Änderung: 05.09.23 15:38

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